Zuerst einmal muß klargestellt
werden, die
Oberlausitzer Mundart ist eine deutschsprachige Mundart und hat nichts
mit der sorbischen Sprache zu tun , obwohl viele die
Oberlausitz ja mit den Sorben in
Verbindung bringen (siehe die Ausführungen unter Oberlausitz).
Auffälligstes Kennzeichen der Oberlausitzer Mundart ist das
rollende "R", das im vorderen Mundbereich gebildet wird und das "L".
Die Einheimischen bezeichnen ihre Sprechweise als kwurrln (quirlen).
Die Bezeichnung Oberlausitzer Mundart ist eigentlich nicht ganz
korrekt, denn gesprochen wird sie nur in der südlichen
Oberlausitz, in den Bergen des
Lausitzer
Berglandes
und des Zittauer Gebirges, je weiter man nach Norden kommt, desto
weniger wird gekwurrlt. Früher hatte noch jedes Dorf seinen
eigenen Dialekt, und auch heute hat manches Gebiet noch seine Eigenart,
welche aber nicht mehr so ausgeprägt ist. So gibt es um Weifa und
Steinigtwolmsdorf die sogenannte Kürzungsmundart, und Leute aus
Sohland oder Oppach sprechen anders, als ein Oybiner oder Zittauer.
Den typischen Klang unserer Mundart hört man in den Dörfern
doch sehr, sehr häufig und zwar von Jung und Alt. Das rollende "R"
ist quasi angeboren, deshalb heißt es -
"A hot a Radl a dr Gurgl" - er hat ein Rad im Hals. Hier folgt eine
kleine Aufstellung typischer mundartliche Begriffe und ihrer Bedeutung:
Abern - Kartoffeln ------------- Mauke
- Kartoffelmus
Harch - Hering -------------- ärschlch - verkehrtherum
oaahoosn - anziehen --------------------- soin - sagen
troin - tragen ---------------------------- jechn - schnell
oack - nur -----------------------------Seeger - die Uhr
Roaper - Schubkarre ----- naajchtn - gestern abend
Roaboatz - Lärm ------------------ Fautze - Ohrfeige
Schmoatz - Kuß ------------- Bärschlch - Haarschopf
Heemt - Heimat ------------------------- Obd - Abend
Ein typischer Spruch bei uns ist: "Oack ne jechn",
was soviel bedeutet wie - Immer mit der Ruhe.
Als Heimatdichter ist besonders
August Matthes (1854 - 1937), welcher
in Wehrsdorf geboren wurde und unter dem Namen "Bihm's Koarle"
zahlreiche Gedichte und Geschichten veröffentlicht hat, unter
anderem mehrere "Fuhren Kraut und Rüben", zu erwähnen. Auch
Herrmann Klippel (1896 - 1960), lebte die meiste Zeit in Sohland und
hat zahlreiche Gedichte und Geschichten geschrieben. Zwei kleine
Kostproben von Bihm's Koarle gefällig?
Wenn enner zu woas kumm'm will, do
muß'r woas derfinn;
sunnst koannerch's ganze Lab'm lang im a poar Pfennge schinn!
War nischt derheiroat, nischt gewinnt, nischt erbt,
dar bleibt a oarmes Luder bis'r sterbt!
In neuerer Zeit sind es besonders
Herbert Andert aus Ebersbach,
Gründer der Mundartgruppe "Ebersbacher Edelroller" und in der
Gegenwart
Hans Klecker,
welche sich um unsere Oberlausitzer Mundart verdient machen. Hans
Klecker hat mehrere Bücher u.a. "Gequirltes" und "Gekleckertes"
veröffentlicht und hat auch die Texte für einige Lieder vom
Gesangsduo Kahtrin & Peter geschrieben. Gepflegt wird unsere
Mundart in Wort und Gesang natürlich auch von zahlreichen
Vereinen. Es seien an dieser Stelle stellvertretend genannt: Die
"Rutkatl" aus Cunewalde, Dorfensemble Walddorf, "Thalia" aus Jonsdorf,
Sing- und Trachtengruppe Großschönau, "Ebersbacher
Heedelirchn" und "Ebersbacher Edelroller" und die Mundartgruppe
Sohland, welche regelmäßig auf der
Waldbühne Sohland
zu sehen ist . Diese Aufzählung erhebt überhaupt keinen
Anspruch auf Vollzähligkeit, es gibt diese Gruppen in fast jedem
Ort.